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Starke Ideen für starke Dörfer

Um Projekte und Impulse ging es auf dem Regionalforum der Leader-Region Wetterau/Oberhessen im Ortenberger Bürgerhaus. Auch wollte man auf der Veranstaltung Zwischenbilanz ziehen.

Ortenberg (asl). Leader gestaltet Heimat und macht sie stark. Diese lobenden Worte fand Volkard Guth, stellvertretender Vorsitzender im Leader-Beirat, beim Regionalforum der Leader-Region Wetterau/Oberhessen, zu dem die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung im Wetteraukreis (WiReg) in das Ortenberger Bürgerhaus einlud. Zuvor hatte Klaus Karger, einer der Geschäftsführer der WiReg, die Teilnehmenden begrüßt.

Man wolle Zwischenbilanz ziehen und schauen, was in der laufenden Förderperiode von 2023 bis 2027 bisher angestoßen und erreicht wurde und was noch gemacht werden kann. Der Abend wurde genutzt, um Ergebnisse und Erfahrungen aus erster Hand zu erhalten und mehr zu den einzelnen Handlungsfeldern und Fördermöglichkeiten zu erfahren.

Fördergelder stehen noch zur Verfügung

Insgesamt stellen der Bund und das Land Hessen für die 19 teilnehmenden Kommunen in Oberhessen einen Betrag in Höhe von 5,373 Millionen Euro im Förderzeitraum bereit. Bislang seien knapp 1,5 Millionen Euro an Fördergeldern geflossen bei einer Gesamtinvestitionssumme von 3,4 Millionen Euro. Es stehen also noch Fördergelder zur Verfügung, stellte Dr. Ulrich Gehrlein vom Institut für Ländliche Strukturforschung fest. Das Büro ist zuständig für die notwendige Evaluierung der Leader-Prozesse, wie Karger erklärte.

Wie Guth, der in Vertretung der Beiratsvorsitzenden Henrike Strauch da war, in seinem Grußwort weiter ausführte, stärke Leader die Zukunftsfähigkeit der Region. Er habe in seiner Funktion im Beirat erlebt, dass viele positiv denkende und motivierte Menschen zusammengeführt wurden. Die Arbeit des Teams vom Regionalmanagement würdigte er. Die Anträge seien gut vorbereitet. Immer sei es um die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse vor Ort gegangen.

Welche Handlungsfelder in der lokalen Entwicklungsstrategie stecken, erläuterte die Projektmanagerin der WiReg, Silvia Kirmis. Dazu gehören Daseinsvorsorge, wirtschaftliche Entwicklung, regionale Versorgungsstruktur, Erholungsräume für Naherholung und ländlichen Tourismus sowie Bioökonomie mit Anpassungsstrategien zu nachhaltigem Konsumverhalten. Weitere Themen sind Digitalisierung und Klimaschutz wie auch spezielle Themen der Region Wetterau/Oberhessen zur Ortsinnenentwicklung und der Landesgartenschau.

Ihre Kollegin Britta Schellhammer zeigte anhand von bislang umgesetzten Projekten auf, was förderfähig ist und beschrieb die inhaltliche Ausrichtung der jeweiligen Förderungen. Sie erklärte auch den Unterschied zwischen der Leader-Förderung und dem Regionalbudget (siehe Infokasten).

Zu den Beispielen zählten eine kleine Privatbrauerei, ein Verkaufswagen einer Metzgerei, ein Backhaus, Wegebeschilderungen und Konzepterstellungen, Blühflächen, Dorfwärme, die Anlage des Weinbergs Jakobsäcker als Rebsortenarchiv, Licht- und Tontechnik im Ortenberger Karo-Keller, der Messestand des Freundeskreises der Landesgartenschau, ein Lasten-E-Bike für eine solidarische Landwirtschaft, die Anlage Adventuregolf Red Lama und der Infoanhänger, genutzt vom Regionalbauernverband Wetterau-Frankfurt, um vor allem Kindern die Landwirtschaft näher zu bringen.

Den Anhänger hatten Anke Krüger und Marcus Schepp von der Geschäftsstelle des Verbands mitgebracht, um dessen Nutzen aufzuzeigen. Es konnte Korn gemahlen und mit einer Virtuell-Reality-Brille das Leben im Hühnerstall erlebt werden. Dr. Jannos Siaplaouras, einer der Mitbegründer des Red Lama, dankte dem Regionalmanagement für die Unterstützung. »Ohne die Leader-Förderung wäre die Umsetzung des Großprojekts nicht möglich gewesen«, sagte er.

Nachfolgend stellte Projektmanagerin Sina Happel die Dorf-Akademie »Dorf und Du« vor, eine Informations-, Vernetzungs-, Qualifizierungs- und Dialogplattform für Bürgerinnen und Bürger der 19 Leader-Kommunen über Themen des dörflichen Lebens. Im Mittelpunkt stand die Erstbauberatung mit der fachlichen und teils kostenlosen Begleitung bei der Instandsetzung von Gebäuden aus den 1950er- Jahren bis ins Baujahr 1959. Dr. Gehrlein zog als externer Begleiter der Prozesse ein kurzes Fazit: Auffällig sei, dass aus der Kulturarbeit bislang wenig nachgefragt worden ist. Bei Projekten aus den Handlungsfeldern Daseinsvorsorge und Tourismus seien bislang jeweils 26, beim nachhaltigen Wirtschaften und der Bioökonomie fünf umgesetzt worden.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden Ideen zu den einzelnen Handlungsfeldern gesammelt, wie betreute Wohnformen, Inklusion, Belebung der Gastronomie und Fahrradverleih.

 

Leader ist eine Abkürzung aus dem Französischen (Liason entre actions de développement de l’économie rurale) und ist ein Förderprogramm der EU zur Entwicklung ländlicher Räume. Angesprochen sind Kommunen, Kleinunternehmen, Organisationen und Vereine. Die Vorhaben müssen innerhalb der Gebietskulisse umgesetzt werden. Förderfähige Mindestinvestitionssummen sind bei investiven Vorhaben 10 000 Euro netto und bei nicht-investiven Vorhaben 1 500 Euro netto. Das Projekt darf erst nach Bewilligung begonnen werden. Der Projektträger tritt in Vorleistung. Die Förderquote beträgt zwischen 25 und 80 Prozent auf förderfähige Nettokosten. Bei der Regionalbudget-Förderung sind Unternehmen als Antragsteller ausgeschlossen. Gefördert werden Kleinprojekte bis maximal 20 000 Euro Bruttokosten. Die förderfähige Mindestinvestitionssumme beträgt 1 000 Euro netto. Auch hier muss das Vorhaben in der Gebietskulisse umgesetzt werden. Die Antragstellung muss jeweils bis zum Februar erfolgt sein, man sollte aber schon jetzt mit den Plänen kommen, sagte Klaus Karger. Auch hier tritt der Projektträger in Vorleistung. Die Förderquote liegt bei 80 Prozent auf die förderfähigen Kosten.

 

Der Artikel ist am 27.09.2025 auf der Webseite der Wetterauer Zeitung erschienen.


Informationen und fördertechnische Details des Abends finden Sie hier.
Das Handout mit Informationen zu den Fördermöglichkeiten LEADER und Regionalbudget finden Sie hier.